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Wien Marathon 2005

Am 22. Mai 2005 fand bereits mein vierter Marathon statt (nur 6 Wochen nach meinem Dritten) - mit einer Zeit von 5:33:06!

Vorbereitung

An sich habe ich in den letzten Jahren immer die Meinung vertreten, dass es für mich nie in Frage kommen würde, in Wien zu laufen - obwohl es meine Heimatstadt ist. Dies lag vor allem an der Strecke, die zu einem grossen Teil durch den Wiener Prater führt und damit nicht den Sightseeing-Charakter anderer Strecken hat. Damit würde es mental ziemlich schwer werden, diesen Teil gut zu überstehen.
Mittlerweile habe ich allerdings bereits einige Marathons in meinen Beinen und Erfahrung ist bei diesem Sport ein Faktor, der fehlende Motivation eventuell ausgleichen könnte.

Heuer wurde die Teilnahme durch meinen Arbeitgeber T-Systems gesponsert, indem die Startbeträge gezahlt wurden.
Obwohl erst vor sechs Wochen der Rotterdam-Marathon stattgefunden hat, fand ich es ganz interessant, noch einen weiteren Marathon im Frühjahr durchzuführen - insgesamt waren dies genügend Argumente für eine Anmeldung.

Der Lauf

Ich freute mich in den letzten Tagen schon sehr auf dieses Rennen - bisher war ich in Wien in den letzten Jahren schon mehrmals den Fernwärmelauf über ca. 15,8 km gelaufen, der erste Teil der Strecke war mir also bestens bekannt. Der Start fand wie in den letzten Jahren bei der UNO-City statt, diesmal waren hier nur die Marathon-, Staffel- und Fun-Run-Läufer zu finden (der Start des neuen Halbmarathons befand sich fast 2 km weiter stadteinwärts und führte über eine geänderte Route, die allerdings am Schluss wieder zu den Marathonläufern kam).

Ich fand mich im dritten Startsektor von vier Sektoren wieder - anscheinend waren hier alle Läufer zu finden, die bereits einen Marathon gelaufen waren (unabhängig von ihrer Bestzeit) und dahinter diejenigen, die diese Strecke noch nie bewältigt hatten. Jedenfalls fühlte ich mich am Start etwas unwohl, da rund um mich lauter sichtlich schnellere Läufer standen. Es hätte aber keinen Sinn gehabt, in meinem Sektor ganz nach hinten zu gehen, weil dann ja sofort die schnellen Läufer vom nächsten Sektor nachkämen. Es wäre nur möglich gewesen, sich selbst einen ganzen Sektor nach hinten zu versetzen - dazu war aber keine Zeit mehr, daher konnte ich mir nur noch vornehmen, möglichst am Rand zu laufen, um niemanden zu behindern und trotzdem langsam anzufangen.
Wie immer haben Vorsätze so an sich, dass man sie nicht einhält, daher wurde mein erster Kilometer auch zum schnellsten (obwohl er die Überquerung der Reichsbrücke beinhaltete), auch der zweite Kilometer war noch viel zu schnell. Es überholten andauernd Läufer in rasantem Tempo und mir war bald bewusst, dass dies heute kein gutes Ergebnis werden würde.
Sobald die Reichsbrücke vorbei und damit wieder mehr Platz auf der Strasse war, konnte ich mein Tempo ein bisschen drosseln und lief so über den Ring und die Wienzeile hinaus bis Schönbrunn. Es waren auf diesem Teilstück sehr viele Läufer unterwegs - es handelte sich allerdings vor allem um die Halbmarathonläufer, die nur noch wenige Kilometer vor sich hatten. Bis nach der Mariahilferstrasse kannte ich die Strecke gut aus den letzten Jahren - und danach war ich froh, dass die Halbmarathonläufer endlich abzweigten und so nur noch Marathonis und Staffelläufer blieben (damit waren diese ständigen Überholmanöver endlich zu Ende).

Es ging dann ein Stück am Ring bis fast zur Börse (wo ich Peter kurz sah) und dann wieder hinaus Richtung Spittelau (leider wieder ein anstrengender Anstieg). Mittlerweile war es schon ziemlich warm geworden, beim Zurücklaufen entlang des Donaukanals gab es ausserdem reichlich Gegenwind - nicht unbedingt das ideale Wetter aber es war ok.
Mir fehlte es allerdings ein bisschen an Motivation (die Zuschauer waren teilweise recht dünn gesät), sodass ich bereits beim Halbmarathon über eine Gehpause nachdachte. Knapp vor dem Prater kamen die Läufer entgegen, die bereits bei km 38 (und dementsprechend schnell) waren - ich beneidete sie um die Tatsache, dass sie es nicht mehr weit hatten, aber auf mich wartete jetzt der Prater.

Und hier gabe es für mich die positive Überraschung, dass über eine Streckenlänge von 2 km Lautsprecherboxen angebracht waren, die einen lokalen Radiosender (Radio Wien) mit speziellem Marathonprogramm brachten (ich hatte geglaubt, dass nur an einer Stelle Musik zu hören sein würde). Man hatte in den letzten Wochen Musikwünsche bestellen können - leider hatte ich hier das Pech, dass mein gewünschter Titel zwar gespielt wurde, aber genau zu dem Zeitpunkt, als ich die erwähnte 2km-Zone gerade verliess.
Zwischendurch ging es durch den Wurstelprater - eine sehr gute Abwechslung, weil es hier viel zu sehen gab und man abgelenkt wurde (dies befand sich nach km 27). Wieder zurück im grünen Prater lag noch ein grösseres Stück vor mir - als ich plötzlich von Peter gerufen wurde, der mit dem Rad da war und Fotos machte. Zur Umrundung des Lusthauses (am Ende der Prater Hauptallee) begleitete er mich zwar nicht, danach blieb er allerdings an meiner Seite und versuchte durch Zurufe meinen mittlerweile eingekehrten Gehschritt wieder auf Laufen umzuändern. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich k.o., das lag aber eigentlich gar nicht an der zuvor gefürchteten Prater Hauptallee (diese sah heute durch diverse Dekorationen ganz anders aus als bei meinen Trainingsläufen und die Musik brachte auch eine gute Stimmung) - es war eher die Hitze die mir mittlerweile etwas zu schaffen machte. Peter hat dann aus seinem Rucksack noch eine Trinkflasche herausgezaubert, die ich dankbar annahm - ohne diese wären die Distanzen zwischen den Labestationen nicht zu schaffen gewesen.

Rund um mich lichtete sich mittlerweile das Feld - einige Läufer gingen (ebenso wie ich) den Grossteil der Strecke, mir war zu dem Zeitpunkt alles egal, aufgeben wollte ich aber ganz sicher nicht.
Nach dem Prater ging es entlang des Donaukanals und danach entlang des Wienflusses Richtung Innenstadt - erst ab km 40 legte ich wieder durchgehend einen Laufschritt ein und behielt diesen auch bis zum Ziel bei.

Einen Kilometer davor gab es leider die Situation, dass mich der Schlusswagen überholte - ich hatte ihn nicht kommen gehört, der Peter hat mir zwar seine Ankunft mitgeteilt, ich habe das allerdings für Panikmache und einen schlechten Motivationsversuch gehalten - und ein Läufer dreht sich niemals um!!
Als mich der Schlusswagen überholte, wollte ich das zunächst nicht zulassen und steigerte mein Tempo ziemlich stark, ich konnte ihn aber leider nicht mehr einholen. Interessanterweise konnte ich dieses Tempo aber bis zum Ziel durchhalten, obwohl es noch bergauf entlang des Rings ging (schon interessant was ein bisschen Motivation alles bewegt).

Schliesslich lief ich um die letzte Kurve, nahm den mittleren Durchgang beim Heldentor und sah das Ziel vor mir. Ich konnte noch dem Moderator die Hand abklatschen, dann ging es durchs Ziel - endlich geschafft!

Gedanken danach

Ich bin froh, diesen Marathon bewältigt zu haben, obwohl es sich um meine schlechteste Endzeit handelt. Für mich bleibt dieser Lauf der schwierigste Marathon, den ich kenne (durch ständige Steigungen und warmes Wetter jedes Jahr) und ich glaube nicht, dass ich ihn nochmals laufen werde.
Der nächste Marathon ist jedenfalls schon gebucht - es ist der Berlin-Marathon am 25. September.


 

 
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