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Rotterdam Marathon 2005

Wieder eine neue persönliche Bestzeit bei meinem dritten Marathon: 5:14:11!

Trainingsvorbereitung

Das Training ist bei diesem Marathon etwas unseren Hausbauarbeiten zum Opfer gefallen - Peter hat mir zwar wieder einen ausgeklügelten Trainingsplan erstellt, ich habe mich aber nur in groben Umrissen daran gehalten. Vor allem die langen Läufe sind zu kurz gekommen (mein längster Lauf in der Trainingsvorbereitung war 24 km lang) - meinem Gefühl nach hätte zumindest ein Lauf 30 km lang sein müssen, um die längere Belastung beim Marathon zu trainieren.
Mein schlechtes Gewissen habe ich aber damit beruhigt, dass ich zumindest schon etwas Erfahrung beim Marathon habe und damit vielleicht das ungenügende Training kompensieren kann.

Anreise

Wir sind diesmal zu dritt zum Marathon gefahren und am Donnerstag vor dem Lauf in Rotterdam angekommen. Der erste Eindruck der Stadt war ein starker Sturm - teilweise ist man bei Gegenwind kaum vorwärts gekommen. Nicht gerade die besten Bedingungen für einen Lauf aber zumindest eine passable Ausrede, falls die Marathonzeit nicht wie gewünscht ausfällt.

Marathonlauf

Da es am Freitag und Samstag vor dem Lauf sehr kalt war (sogar geschneit hat es) war die Entscheidung bezüglich richtiger Laufkleidung nicht einfach. Unser Hotel lag aber direkt an der Laufstrecke kurz nach dem Start, daher haben wir uns einfach die anderen Läufer angesehen, die zum Start strömten. Diese waren grossteils mit kurzer Hose bekleidet und es sollte auch angeblich wärmer werden, deshalb haben wir ebenfalls eine kurze Hose, allerdings mit langem Shirt (wegen des Windes) angezogen.
Um zum Start zu kommen, mussten wir zuerst durch die Zuschauermassen - wir kamen aber rechtzeitig an und ich suchte mir einen Platz im hinteren Startbereich (Peter durfte aufgrund seiner letzten Marathonergebnisse in einen speziellen Startsektor und auch Gerhard versuchte etwas weiter nach vorn zu kommen). Mir selbst ging es nur darum, nicht allzuviel Zeit beim Start zu verlieren, weil nach 5:30 Stunden sollte Zielschluss sein - das könnte (wenn es nach Bruttozeit geht) knapp werden.

Die Stimmung bei den Teilnehmern war gut, die Zuschauer am Rand der Strecke erinnerten anfangs allerdings eher an einen Trauerumzug - eine Stimmung wie in London oder Chicago war hier anscheinend nicht zu erwarten.
Zuerst ging es über die Erasmusbrücke in den Süden von Rotterdam, hier verlief die Strecke sehr abwechslungsreich (teilweise in besiedeltem Gebiet, teilweise im Wald). Bis zur Halbmarathonmarke sollte ein Marathon ja keine Probleme bereiten - einigen Laufkollegen ging es aber schon in diesem Bereich nicht so gut. Ein Läufer überholte mich immer wieder mit rasantem Tempo und blieb dann ein paar Meter vor mir stehen. Nachdem ich ihn wieder überholt hatte, wiederholte sich dieser Zyklus immer wieder - und das über mehrere Kilometer hinweg (keine Ahnung ob er es mit dieser Taktik schlussendlich ins Ziel geschafft hat, ich habe ihn ab dem Halbmarathon hinter mir gelassen).

Den Halbmarathon selbst habe ich in einer sehr guten Zeit (2:21:22, 7 Minuten schneller als bei meinen beiden vorherigen Marathons) geschafft. Ich wusste aber, dass ich ziemlich bald eingehen würde (weil ich zu schnell begonnen hatte)...

Bei km 24 führte die Strecke wieder retour über die Erasmusbrücke und hinein in die Stadt. Hier befand sich ein "Gegenverkehrsbereich", in dem die Läufer, die sich bereits knapp vor dem Ziel befanden, auf der anderen Strassenseite entgegenkamen. Wir hatten vor dem Lauf berechnet, dass ich hier eventuell den Peter sehen könnte (er bei km 41, ich bei km 26) und ich hielt angestrengt Ausschau nach ihm. Tatsächlich habe ich ihn dann entdeckt und laut angefeuert - zumindest er hatte es in Kürze geschafft, ich hatte noch ein grosses Teilstück vor mir ...

Ab km 27 ging es wieder hinaus aus der Stadt, die Strecke sollte noch rund um einen See führen. Hier bekam ich wie erwartet erste Probleme mit meiner Kondition und musste kurz dehnen und immer wieder Gehpausen einlegen. Den Läufern rund um mich ging es nicht viel anders - man überholte immer die gleichen Personen und wurde von ihnen bei der nächsten Gehstrecke wieder überholt. Hier gab es einige Musikkapellen, die etwas Ablenkung brachten, auch die Zuschauer waren in diesem Teilstück sehr hilfreich. Bei km 35 gab es eine Wende, ab dieser Stelle ging es fast nur noch geradeaus ins Ziel. An sich eine motivierende Tatsache - nicht so ganz motivierte mich, dass ich circa einen Kilometer später bereits den "Besenwagen" (bestehend aus einer Fahrzeugflotte von mindestens 20 Autos bzw. LKWs) in die Gegenrichtung fahren sah - das bedeutete, er war nur mehr zwei Kilometer hinter mir und ich wurde immer langsamer!!
Es wartete noch ein Waldstück auf mich, in dem viele Zuschauer mit Fahrrad unterwegs waren und jeden Läufer einzeln "durchführten" - die Anfeuerungen waren gut gemeint, noch mehr hätten sie allerdings bei mir gebracht, wenn ich sie auch verstanden hätte (sie waren auf niederländisch). Am Ende des Waldstücks klopfte mir ein Laufkollege auf die Schulter und meinte (auf Englisch), dass es nur noch 4,5 Kilometer bis zu Ziel seien und ich weiterkommen solle. Ich versuchte also wieder einen Laufschritt und behielt diesen auch bis zum Ziel bei, obwohl es noch leichte Anstiege gab.
Knapp vor dem Ziel habe ich noch Gerhard und Peter (beide frisch gebadet und umgezogen) unter den Zuschauern entdeckt, der Zieleinlauf selbst war wieder von Zuschauermassen umgeben, die kräftig anfeuerten.
Gemeinsam mit meiner Medaille und einer Rose, die alle weiblichen Teilnehmer erhielten, machte ich mich ziemlich bald danach auf den Heimweg zum Hotel, um nicht zu stark auszukühlen.

Resumee

Mir hat der Marathon in Rotterdam nicht ganz so gut gefallen wie London oder Chicago (weniger Zuschauer und weniger Sehenswürdigkeiten), die Strecke ist aber an sich in Ordnung (keine starken Steigungen, auch Temperatur und Wind waren einigermassen im Rahmen). Obwohl ich meine Bestzeit um weitere 5 Minuten verbessern konnte, handelte es sich bei diesem Marathon um eine schlechtere Leistung als in Chicago, da ich bei der zweiten Hälfte langsamer war als bei vorherigen Marathons und dies auf eine ungenügende Ausdauer zurückzuführen ist.
Aber meine nächste Chance kommt bestimmt - am 22. Mai 2005 nehme ich am Wien-Marathon teil und möchte dort endlich unter die 5 Stunden kommen!


 

 
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