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New York Marathon 2006

Motivation und Training

Der New york Marathon kann (im Normalfall) aufgrund des grossen Andrangs nur über einen Reiseveranstalter gebucht werden, daher haben wir uns bereits im Frühjahr dafür entscheiden müssen. Diesmal wollte ich auch schon früher intensiv mit dem Training beginnen, da ich seit dem letzten Marathon im Herbst 2005 nur wenig gelaufen war. Anfangs hielt ich den entsprechenden Plan auch durch, aber im Sommer fehlte mir die Motivation und die Zeit.
Nicht unbedingt beigetragen zum Trainingsansporn hat ausserdem die Tatsache, dass die Strecke in New York viele Steigungen haben sollte und hier normalerweise keine Bestzeiten erzielt werden können - die 5 Stunden-Mauer würde ich hier sicher nicht durchbrechen können.
Ich trainierte also mit dem Gedanken, dass ich die Strecke aufgrund meiner Erfahrung ziemlich sicher schaffen würde - die Endzeit würde eine untergeordnete Rolle spielen. Im September und Oktober habe ich einige lange Läufe (26 bzw. 31km) in der Gegend rund um Deutsch-Wagram gemacht, diese haben vermutlich meinen Trainingszustand und meine Ausdauer massgeblich positiv beeinflusst.

Anreise

Friendship-Run - vor dem Start Wir sind bereits am 31.10. in New York mit der Reisegruppe von Runnersreisen angekommen und haben uns an diesem Abend noch eine Halloween-Parade angesehen. In den nächsten Tagen war umfangreiches Besichtigungsprogramm angesagt - meiner Meinung nach waren die vom Reiseveranstalter geplanten "Wanderungen" durch New York viel zu intensiv für den Zeitraum wenige Tage vor dem Marathon. Ob es sich tatsächlich negativ auf die Marathonendzeit ausgewirkt hat lässt sich schwer sagen, jedenfalls haben wir zumindest viel von Manhattan gesehen.
Am Donnerstag gingen wir auf die Marathonmesse, am Samstag fand der International Friendship Run statt (allerdings liefen wir hier nur ein paar Kilometer mit, die gesamte Distanz wäre zu viel gewesen einen Tag vor dem Marathon). Bei diesem Lauf bemerkte ich, dass mein Fotoapparat perfekt in eine Schlaufe meines Trinkgurtes passt und hier überhaupt nicht stört - ich entschloss mich daher dazu, ihn auch beim Marathon mitzunehmen, damit ich auf der Strecke Fotos machen konnte (diesmal also wirklich ein Sightseeing-Marathon).
In den letzten Tagen war es ziemlich kalt geworden in New York und ich befürchtete frostige Temperaturen beim Start des Marathons.

Der Marathon

Am Marathontag mussten wir um 4 Uhr aufstehen - dank der Zeitumstellung kein wirkliches Problem. Um 5:30 fuhr der von der Reisegruppe gecharterte Bus direkt zum Start in Staten Island am Fuss der Verazano-Narrows Bridge. Dort angekommen mussten wir fast 3 Stunden lang warten - mit einem kleinen Frühstück (Bagels, Tee und Kaffee wurden angeboten) liess sich die Zeit leicht verkürzen. Um 9 Uhr schlenderte ich in meinen Startsektor (grün) und fand hier meinen laut Startnummer zugewiesenen Block ganz hinten.
Den Kanonenschuss um 10:10 konnte man auch hier gut hören und dann ging es langsam zur Startlinie. Auf dem Weg dorthin (vor allem im Bereich der Startmatte) fanden sich Unmengen an Altkleidung, die andere Läufer bereits abgelegt haben. Meines Pullovers entledigte ich mich erst in der Mitte der Verazano-Narrows Bridge, dann fing der Lauf an.
Startbereich
Marathonstrecke in Brooklyn Nach der ersten Brücke und damit der grössten Steigung im gesamten Lauf ging es ebenso stark wieder bergab - trotz mehrerer Fotopausen war ich ganz flott unterwegs. Die Strecke durch Brooklyn war mit sehr vielen Zuschauern versehen, die kräftig anfeuerten. Es ging dabei dauernd bergauf und bergab (aber nur kleine Steigungen) und es waren sehr viele Läufer rund um mich unterwegs.
Bei diesem Marathon hatten wir nicht die Möglichkeit, davor die Strecke mit einem Auto abzufahren, daher gab es nach jeder Kurve eine Überraschung ob es weiter bergauf oder bergab geht. Der Halbmarathon war auf der Pulaski-Bridge, die Brooklyn und Queens miteinander verbindet. Mit 2:29 hatte ich zwar eine langsame Zeit (meine langsamste Halbmarathonzeit bei allen bisherigen Marathons), aber das bedeutete zumindest, dass ich nicht zu schnell angefangen hatte und noch Reserven haben sollte.
Kurz danach sah ich schon die Queensboro-Bridge, die nach Manhattan führt - in mehreren Schleifen näherten wir uns an und überquerten sie dann auf der unteren Fahrbahn-Ebene. Mitten auf der Brücke hatte ich plötzlich starke Darmprobleme und war mangels Toilette auf der Brücke gezwungen ein paar hundert Meter weiterzugehen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, dass ich vermutlich bis zum Schluss weitergehen müsste und dies ein langer Wandertag würde. Sobald es wieder bergab ging und sich mein Darm (durch den gemässigteren Puls) anscheinend ein bisschen beruhigt hatte versuchte ich trotzdem wieder sachte zu traben. Nach der Brücke kam eine Kehrtwende mit sehr vielen Zuschauern am Rand - und gleich danach unterhalb der Brücke stand eine grosse Anzahl Toiletten, die ich erleichtert benutzte. Der kurze Zwischenstopp kostete mich nur wenige Minuten - aber danach konnte ich problemlos weiterlaufen (ich fühlte mich als hätte der Lauf gerade erst begonnen) und holte damit die Zeit wieder auf.
Die First Avenue ist eine sehr lange und breite Strasse, die Richtung Norden zur Bronx führt, dort blieben wir nur kurz und liefen dann über die Madison Avenue Bridge wieder zurück nach Manhattan auf die 5th Avenue. Obwohl ich schon eine lange Strecke hinter mir hatte und rund um mich einige Läufer gingen blieb ich beim Laufschritt - ich hatte nie das Gefühl gehen zu müssen und hätte auch gar nicht gehen wollen. Kurz bevor der Kurs in den Central Park einbog führte die Strasse ziemlich steil bergauf - hier lief ausser mir fast keiner, aber da ich noch genug Reserven hatte hatte ich keine Probleme. Im Central Park waren viele Zuschauer, die Strecke ging hier immer wieder bergauf und bergab - normalerweise genug Gründe um nur mehr zu gehen aber ich lief weiter. Am südlichen Ende des Central Parks ging es kurz hinaus auf die 59th Street und beim Columbus Circle wieder hinein. Knapp vor dem Einbiegen sah ich Peter, der nach seiner Zielankunft gerade zum Hotel zurückging und mich kurz anfeuerte. Wieder zurück im Central Park hatte ich noch eine starke Steigung zu überwinden - das Ziel ist wie bei einer Bergetappe oben, aber auch die nahm ich ziemlich locker und überquerte glücklich die Ziellinie. First Avenue
Vom Reiseveranstalter wurde noch ein Foto von mir gemacht, dann suchte ich lange den Bus mit meiner warmen Kleidung - es war leider der letzte, zu dem ich noch ca. 1 km gehen musste. Diese letzte Anstrengung war für mich schlimmer als der Lauf davor, da mir auch schon kalt wurde, die Beine steif wurden und mein Kreislauf Probleme machte.
Am Abend fand mit der Reisegruppe noch eine After Marathon Party statt, bei der man Erlebnisse austauschen konnte und die sehr nett war.

Resumee

Meine erlaufene Zeit (5:22:34) ist eigentlich ganz gut für diesen schwierigen Marathon und ich habe mich auch über grosse Strecken sehr wohl gefühlt.


 

 
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