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London Marathon 2004

Am 18. April 2004 habe ich meinen ersten Marathon absolviert - mit einer Zeit von 5:31:52!

Motivation

Seit 3 1/2 Jahren laufe ich bereits - anfangs war ich noch recht langsam unterwegs, aber ich habe mich von kurzen Läufen bis zum Halbmarathon gesteigert und auch meine Geschwindigkeit laufend erhöhen können. War ich bei meinem ersten Wettkampf im Frühjahr 2001 (ein 5km Lauf) noch mit einem Kilometerschnitt von 7:27 unterwegs, kann ich mittlerweile sogar auf die Halbmarathondistanz einen Kilometerschnitt von 6:36 vorweisen. Beim Silvesterlauf 2003 in Wien schaffte ich erstmals einen Schnitt unter 6 min/km (der Silvesterlauf ist 5.4 km lang).

Als ich letztes Jahr beim Wachaumarathon endlich eine Zeit unter 2:30 für den Halbmarathon schaffte, fasste ich den Entschluss, es im darauffolgenden Frühjahr mit einem Marathon zu versuchen - eine Zeit unter 6 Stunden sollte sich ausgehen und das war quasi meine persönliche Qualifikation.
Da Peter 2003 in London einen Marathon absolviert hatte (er ist auch begeisterter Läufer) und mir die Strecke in London sehr angenehm erschien (keine Runden, direkter Kurs von A nach B mit vielen Zuschauern) probierte ich zunächst bei der Startnummernverlosung, eine Startnummer zu bekommen.
Dort hatte ich leider kein Glück also buchte ich die Startnummer über ein Reisebüro. Und dann begann das Training.

Training

Da Peter bereits Erfahrung bezüglich Marathonvorbereitung hat, half er mir (mit Hilfe von Trainingsplänen aus Büchern) bei der Trainingsgestaltung. Ich begann ziemlich genau 12 Wochen vor dem Termin mit dem fixen Plan, der 3-4 Einheiten pro Woche vorsah.
Es waren meist längere Läufe, die ich teilweise in der Früh in Schönbrunn bzw. am Wochenende im Prater ausübte. Es ist gar nicht so einfach, einen langsamen 15 km Lauf in der Früh zu absolvieren - da ich dafür doch fast 2 Stunden benötigte und der Schönbrunner Schlosspark im Winter erst um 6:30 seine Pforten öffnete, war ein bisschen Stress auch immer dabei, um trotzdem zumindest um 9 Uhr in der Arbeit zu sein.

Die langen Läufe am Wochenende waren durchschnittlich 24 km lang, einmal war auch ein 30 km Lauf dabei (für diesen benötigte ich allerdings schon 4 Stunden 18 Minuten).

Die Trainingszeit ging schnell vorbei und plötzlich stand der Termin vor der Tür: der 18. April.

London

Wir trafen bereits am 14. April in London ein, um uns etwas an die Luft in London zu gewöhnen. Den Besuch der Marathonmesse führten wir gleich am Donnerstag durch (da waren noch relativ wenige Leute dort), sodass wir das Pflichtprogramm hinter uns hatten und so zum allgemeinen Shopping in der Stadt übergehen konnten. Dies machten wir - eventuell etwas zu intensiv, aber schliesslich wollte ich ja von London auch etwas abseits der Rennstrecke sehen. Und ausgerüstet mit den Reservelaufschuhen hielten meine Beine am Freitag und Samstag auch sehr lange durch. Ich hatte dann zwar schon etwas Angst, ob wir nicht doch zuviel herumgelaufen wären, aber wie sich am Sonntag zeigte waren meine Bedenken unbegründet.

Der Renntag

Am Sonntag aßen wir zunächst ein Frühstück im Hotel und fuhren dann - bei absolut scheusslichem Wetter - in einem ganz mit Läufern vollgestopften Zug zum Start in Greenwich. Es war ziemlich kalt (vor allem mit kurzer Hose) und erinnerte ein bisschen an November.
Ich hatte eine Startnummer für den roten Bereich mit der kleinen Nummer 9 dabei, was bedeutete, dass ich mich ganz hinten einordnen sollte. Dies tat ich dann auch und kam direkt in den Bereich mit den verkleideten Läufern. Nach ein paar Minuten waren wir bei der Startlinie angelangt und das Rennen begann.

Der Lauf

Das Rennen war zu Beginn mit einem sehr angenehmen Streckenverlauf ausgestattet - es ging immer wieder ein bisschen bergab (schliesslich musste die Höhendifferenz vom Greenwich Observatorium zur Themse überwunden werden) und bis zum km 10 merkte ich gar nicht, dass ich lief. Knapp nach der Cutty Sark schloss Peter auf mich auf (er war zwar nicht offiziell im Rennen, wollte aber vom Start ca. 15 km zu Trainingszwecken laufen) und wir liefen ein paar Kilometer gemeinsam.

Bei Meile 8 waren wir gemeinsam unterwegs, ich kann aber weder ihn noch mich am Foto erkennen...

Weiter ging es dann alleine, teilweise bei strömendem Regen.
Knapp vor der Markierung für 20 km (die direkt in der Mitte der Tower-Bridge angebracht war) bekam ich Schmerzen in meinen Zehen am rechten Fuß - es war zwar kein Problem weiterzulaufen, aber ich konnte mir bildlich ausmalen, wie mein Fussnagel vermutlich immer blauer wurde (dies hatte ich schon im Training öfters erlebt) und überlegte mir, ob ich kurz stehenbleiben und den Socken bzw. Schuh richten sollte. Während ich so überlegte und mich nicht recht entscheiden konnte, vergingen auch die Kilometer und irgendwann nach der Halbmarathonmarkierung spürte ich die Zehe schon gar nicht mehr.

Den Halbmarathon absolvierte ich in einer Zeit von 2:28 - eigentlich eine sehr gute Zeit, es lagen jedoch noch weitere 21.1 km vor mir. Aber zumindest die Hälfte der Strecke war geschafft und das motivierte.
Nicht so sehr motivierte mich der Anblick der vielen Läufer, die mir im "Gegenverkehrsbereich" (dies ist eine über eine Meile lange Strecke, bei der man Läufer auf der anderen Strassenseite sieht, die bereits 8 Meilen näher dem Ziel sind), entgegenströmten. Ich legte kurz danach meine erste Stretching-Pause ein, der noch 3 weitere solcher Pausen folgen sollten. Schliesslich wollte ich ja keinen Krampf in meinen Beinen bekommen...

Es war auch schon etwas schwierig, wirklich durchzulaufen, da rund um mich die meisten Läufer in einen Gehschritt verfielen und es da naheliegt, ebenfalls mitzumachen.
Es wurde ziemlich windig und etwas kalt, dazu regnete es öfters - kurz: ich fing immer wieder zum Laufen an, einfach, damit mir nicht kalt wurde. Die Strecke auf der Isle of Dogs war von sehr vielen Zuschauern gesäumt, die kräftig anfeuerten. Sie hatten bei mir nicht sonderlich viel zu tun, denn sobald ich den vom Ziel weitest entfernten Punkt erreichte (kurz nach Meile 18) wusste ich, dass keine nennenswerten Schleifen mehr auf mich warteten und es quasi direkt ins Ziel ging.

Es stellte sich heraus, dass die verbleibenden 11 km doch noch etwas an Kraft kosteten, aber mit einer ausgewogenen Geh-Lauf-Kombination hatte ich nie das Gefühl, aufhören zu müssen.
Knapp vor dem Ziel beim Big Ben ergoss sich noch einmal ein heftiger Regenschauer über uns, sodass man sich nur noch wünschte, ins Ziel und dann irgendwo in ein gewärmtes und trockenes Zelt zu kommen. Bis dorthin hatte ich noch knapp über eine Meile.

Schliesslich bog auch ich beim Buckingham Palace um die Kurve und sah das Ziel in greifbarer Nähe - noch kurz einen Schlusssprint über die Zielmatte und es war geschafft!

Da aufgrund meiner recht späten Zielankunft niemand mehr auf mich im Ziel wartete (Peter hat zwar mehrmals auf der Strecke nach mir Ausschau gehalten, wir haben einander aber nie gesehen) bin ich möglichst rasch aufgebrochen, um zum Hotel zu kommen, da es immer noch stark regnete und mir kalt wurde. Dies natürlich erst, nachdem ich meine Medaille in Empfang genommen habe und ein Zielfoto gemacht wurde!


 

 
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