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Chicago Marathon 2004

Für meinen zweiten Marathon habe ich eine Gesamtzeit von 5:19:51 benötigt - neue persönliche Bestzeit!

Trainingsvorbereitung

Mein spezielles Training hat auch bei diesem Marathon 12 Wochen gedauert - unterstützt wurde ich dabei von zwei Faktoren:
  • einerseits von Peter, der einen Trainingsplan aus einem Buch für mich passend modifiziert hat
  • andererseits vom Wetter, das im heurigen Sommer ab Juli eher kühl und regnerisch war und damit ideale Trainingsbedingungen lieferte
Insgesamt lief das Training meiner Ansicht nach nicht ganz so gut wie vor meinem ersten Marathon im Frühjahr, meine Laufgeschwindigkeit konnte ich aber im Training steigern (beispielsweise habe ich einen 30km-Lauf in ziemlich genau 4 Stunden absolviert, was eine deutliche Verbesserung zu den Werten im Frühjahr bedeutet) und schliesslich wurde als Zielzeit 5 Stunden fixiert, was einem Schnitt von etwas mehr als 7 Minuten pro Kilometer entspricht.
Mein persönliches Ziel lag aber primär darin, meine erste Marathonzeit zu bestätigen und ein bisschen zu verbessern.

Anreise

Wir flogen bereits am Mittwoch vor dem Marathon nach Chicago - ein langer und recht anstrengender Flug. Zur Erholung liefen wir schon am nächsten Morgen die ersten Trainingskilometer in der Stadt. Die Luft ist in Chicago durch dauernden leichten Wind (vom Michigan See) frisch.
Am Donnerstag fuhren wir mit unserem Mietauto die Marathonstrecke ab und stellten fest, dass sie erstens doch nicht so einfach wie zuerst geglaubt ist, da sie dreimal in unterschiedlichen Himmelsrichtungen weit aus der Stadt herausführt und wieder zurück und zweitens auch nicht so flach wie zuerst geglaubt ist, da einige Strassenüberführungen vor allem am Schluss der Strecke Anstiege aufweisen.
Die Marathonmesse besuchten wir am Freitag. Es handelte sich um eine grosse Veranstaltung mit Shuttlebussen aus der Stadt und vielen Informationsständen - wir verbrachten fast 3 Stunden dort. Am Samstag gab es im Hotel Hilton eine Pasta Party, bei der die Pasta eher an Suppennudeln erinnerte - das Ambiente im grossen Ballsaal war aber schon beeindruckend.
Schliesslich erwartete ich mit Spannung den Sonntagmorgen und den Start meines zweiten Marathons.

Marathonlauf

In der Nacht zum Sonntag hatten wir leider das Pech, gemeinsam mit einer Hochzeitsgesellschaft im selben Hotel zu wohnen - sie wollten feiern (bis um 2 Uhr in der Früh gingen dauernd Gruppen direkt vor unserem Zimmer vorbei) und wir wollten eigentlich schlafen. Aber um 4 Uhr drehte sich der Spiess um - da standen dann wir auf und bereiteten uns auf den Lauf vor.
Da die Bahnen in Chicago Sonntags erst um 7:15 ihren Dienst aufnehmen (!) fuhren wir mit dem Taxi zum Startbereich - der Mond und die Sterne standen um 6:30 noch am Himmel, es war eiskalt und die Sonne sollte erst in einer Stunde aufgehen. Peter war ziemlich nervös (er wollte eine Zielzeit um die 3 Stunden anvisieren) und ging dauernd auf die Toiletten (die zahlreich im Grant Park zu finden waren). Ich wickelte mich in einen Plastiksack, der auf der Marathonmesse ausgeteilt worden war. Trotzdem war mir sehr kalt und ich versuchte ein paar Sonnenstrahlen der gerade aufgehenden Sonne zu erwischen, um mich etwas zu erwärmen.
Peter startete in einem eigenen Startbereich für schnellere Läufer - ich reihte mich weiter hinten in den Bereich für eine Zielzeit von 11-12 Min Pro Meile ein. 15 Minuten nach dem Startschuss (von dem ich leider überhaupt nichts mitbekommen habe) war auch ich an der Startlinie angekommen und begann mein Rennen.

Der Kurs führte zunächst in zwei S-Kurven durch die Stadt und dann Richtung Norden bis nach km 10. In diesem Streckenabschnitt waren sehr viele Zuschauer an der Strecke und feuerten uns kräftig an. Es wurde auch langsam ziemlich warm - es war ein wolkenloser Tag und die Temperatur sollte noch auf bis zu 20 Grad Celsius klettern.
Sobald es wieder stadteinwärts ging und man den Sears-Tower schon von weitem immer näher kommen sah, war das Laufen etwas leichter als beim Hinauslaufen. Und nach dem ersten Abstecher nach Norden war bereits der Halbmarathon erreicht - ich benötigte dafür 2:28 (eine ähnliche Zeit wie bei meinem ersten Marathon in London). Dass an diesem Tag wohl keine Endzeit unter 5 Stunden zu schaffen war, wurde mir bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst - ich wollte aber trotzdem möglichst lange laufen (ohne zu gehen) und schaffte dies auch bis zur Meile 15. Bei dieser Labestation ging ich erstmals ein paar Schritte, lief aber dann sofort wieder weiter.
Probleme hatte ich mit meinen Getränken - in meinem Gurt hatte ich zwei Fläschchen mit Kohlenhydratgetränken, diese zwaren jedoch seit dem Halbmarathon leer (in London hatte ich vier Fläschchen mitgehabt und nur zwei benötigt - diesmal hätte ich lieber vier Fläschchen gehabt). An den Labestationen gab es zwar immer Wasser und Gatorade, ich hatte jedoch vorgehabt nur das angebotene Wasser zu nehmen und meine eigenen isotonischen Getränke. Da diese jetzt leer waren, musste ich doch auf das gesamte Angebot an den Stationen zurückgreifen.
Bei einer Station knapp vor der 18. Meile gab es auch Clif Shots - mutig probierte ich eine Packung, sie war aber derartig süss und unangenehm, dass ich sie wieder wegwarf. Blieb also nur Wasser und Gatorade bis zum Schluss...

Mit der Zeit bemerkte ich rund um mich - wie in London - immer mehr gehende Teilnehmer, diesmal liess ich mich aber nicht von ihnen mitreissen sondern schloss noch auf die Läufer auf, erst ab dem 35. Kilometer wurde auch ich zum Lauf-Geher. In Chinatown feuerten wieder sehr viele Zuschauer an der Strasse an und motivierten. Dann wurde es zu einer schwierigen Strecke, da noch der südlichste Punkt zu erreichen war und in diesem Bereich kaum Zuschauer vorhanden waren. Schliesslich musste eine Brücke über den Expressway überquert werden, dann ging es wieder nördlich bis zum Ziel (noch etwas über 3 Meilen).
In der Michigan Avenue (die wir 2 Meilen lang geniessen durften) feuerte mich ein Mitläufer sogar mit Namen an (ich hatte aus meinem ersten Marathon gelernt und am Rücken ein Namensschild befestigt), dann zog er sehr rasch an mir vorbei - ich muss schon ziemlich schlecht ausgesehen haben und langsam gewesen sein...

Schliesslich bogen wir von der Michigan Avenue nach rechts ab auf einen kleinen Hügel. Dies war der letzte Anstieg auf den letzten 300 Metern und hier - so knapp vor dem Ziel - wollte ich auf keinen Fall gehen (rund um mich lief jedoch niemand mehr hier hinauf) - dann nach links hinunter direkt in den Grant Park und ins Ziel!

Nach dem Lauf

Peter wartete im Ziel auf mich - er hat für diesen Marathon eine Zeit von 3:08:54 benötigt und in den 2 Stunden bis zu meiner Ankunft die Stimmung und die Verpflegung im Zielbereich ausgiebig genossen.
Am Abend fand dann im Grand Ballroom am Navy Pier noch die Post Race Party statt - eine schöne Veranstaltung mit lauter Musik und grossem Buffet, die uns sehr gut gefallen hat.


 

 
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